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 Mihaus Japan-Blog - Volleyball, Christen und Dschungel!
 
Hallöchen.

Ich danke dem Chef von Anime Thunder für die netten Geburtstagsglückwünsche am Mittwoch! Es war sehr lustig, dass mein Geburtstag dieses Jahr ganze sieben Stunden länger andauerte, da ich noch Glückwünsche bekam, als dieser hier längst vorbei war :) An dieser Stelle auch ein großes Dankeschön an alle Freunde hier in Kyōto und vor allem an die Freunde in Deutschland, welche extra abgewartet haben, bis es in Japan Mitternacht schlägt, um mir dann sofort Glückwünsche zu schicken! <3 
 
Als eine Art vorzeitiges Geburtstagsgeschenk, schenkte ich mir selber ein Ticket für das Volleyball-Spiel Polen gegen Japan. Für all jene, die es nicht wissen: ich bin gebürtiger Pole. Zwar wuchs ich in Deutschland auf und fühle mich prinzipiell der deutschen Staatsbürgerschaft eher hingezogen, doch bei zwei Sachen kommt bei mir immer noch der Pole durch. Erstens wenn es um die Aussprache meines Namens geht (Es heißt Mihau und nicht Michal oder Michael) und zweitens feuere ich bei Sport-Events stets die polnische Nationalmannschaft an.
 
Auch wenn ich in meinem Leben nur ein paar wenige Male Volleyball in irgendeiner Weise verfolgt habe, wollte ich mir die Chance nicht entgehen lassen. Wenn die doch sehr starke polnische Volleyball-Mannschaft nach Japan kommt und ich somit in “unmittelbarer” Nähe bin, kann man es sich schon mal gönnen.
Bei dem Spiel handelte es sich um ein Teil eines ganzen Turniers, welches in Tokio im Metropolian Gymnasium stattfand. Die vier Bestplatziertesten qualifizieren sich für die diesjährigen Olympischen Spiele in Rio, Brasilien. In Tokio wurden sowohl die Qualifikationsspiele der Frauenmannschaften als auch die der Männermannschaften ausgetragen. Bei beiden Turnieren nahmen jeweils acht Länder teil und bei beiden war Japan vertreten. Während die japanischen Frauen die Qualifikation schafften, spielten die Männer am Sonntag ihr letztes Spiel gegen Frankreich, welches von geringer Bedeutung war, da die Qualifikation nicht mehr möglich war.
 
Meine polnischen Männer schafften die Qualifikation als Tabellenerster, was mich sehr freut. Noch mehr freut mich die Erfahrung eines vollen japanischen Stadions. Eine eigene Motivationstruppe, welche immer auf den Stadionmonitoren zu sehen war und dem Publikum zeigte, welcher Fangesang nun gesungen werden soll. Jeder japanische Fan (gefühlte 99% des Stadions) waren ausgestattet mit zwei Aluminium-Ballons, welche stets zum Takt gegeneinandergeschlagen wurden.
 
Die wenigen Polen-Fans haben sich aber gut geschlagen. Immer wenn die Japaner eine kurze Pause einlegten, legten wir los und waren sogar einigermaßen hörbar (wenn man sich konzentriert hat). Hier also auch großen Respekt an die wenigen Polen, welche da waren und gezeigt haben, dass man sich auch von einer großen Heimspiel-Menge nicht fürchten muss. Das Spiel endete übrigens 3:0 für Polen :)
 
Nun zur japanischen Stadionkultur bzw. dem was mir am Dienstag (Spieltag) aufgefallen ist. 
1. Man scheint keine lauten Schreie gewohnt zu sein. Jedes Mal, wenn ich lauthals “POLSKA” schrie (“Polen” auf Polnisch), erschreckten meine zwei japanischen Sitznachbarinnen. Irgendwann musste eine von ihnen fragen, was dieses “Polska” überhaupt bedeutet.
2. Es scheint keine Streitkultur zu existieren. Damit meine ich nicht unbedingt die dummen Kreaturen, welche allgemeinhin als “Hooligans” bezeichnet werden (diese scheint es hier überhaupt nicht zu geben), sondern eher scherzhafte Sportstreitigkeiten. Auch wenn man kein Hooligan ist, reibt man es einem Freund, welcher Fan eines anderen Teams ist, gern unter die Nase, wenn sein Team verloren hat. Meine Versuche, solche Scherze zu bringen, wurden von japanischer Seite sofort mit “ist ja egal wer gewinnt” abgeblockt.
 
Doch da das Spiel erst abends stattfand und ich wieder mal mit einem Nachtbus angekommen bin, hatte ich den ganzen Tag Zeit, mich wieder mal in Tokio umzusehen. Ich besuchte den kontrovers diskutierten Yasukuni-Schrein, welcher international als Treffpunkt der japanischen Rechten bekannt ist. Grob gesagt ist dieser Schrein für alle kriegsgefallenen Japaner, worunter aber auch Kriegsverbrecher fallen. Wenn also ein hohes Tier der japanischen Regierung diesem Schrein einen Besuch abstattet, ist es komplett verständlich, dass China und Korea dies nicht gerne sehen. Dies ist schon oft vorgekommen.
Es ist ein sehr interessanter Ort, mit viel Polizeipräsenz, geschlossenen Toiletten, Kriegs-Denkmählern, einem Museum, vielen Japan-Flaggen und einem Souvenir-Shop, in welchem unter anderem Bierdeckel mit Kriegsschiffen und -Fliegern verkauft werden. Nicht nur aufgrund meiner fehlenden Sprachkenntnisse kann ich bis heute nicht sagen, ob dieser Ort ein Mahnmal gegen den Krieg sein soll oder diesen als eine Art “Stolz des Landes” darstellt. 
 
Des Weiteren besuchte ich die salesianische Kirche im Stadtteil Meguro. Hierbei handelt es sich um eine katholische Kirche mit einem riesigen Kindergarten. Geführt und gegründet durch katholische Missionare.
Ich persönlich bin ein eher zweifelnder Christ, finde aber hier und da mal meinen Weg zu Gott. Kirchenbesucher bin ich jedoch nicht, da ich denke, dass Religion im Inneren geschieht und nicht unbedingt gemeinsam gelebt werden muss. Da der Leiter des Kindergartens jedoch um gefühlt hunderte Ecken mit mir verwandt ist, wollte ich mir auch diese Chance nicht entgehen lassen, mit einem polnischen katholischen Pfarrer, welcher in Japan lebt, zu sprechen.
 
Die Kirche lebt vom freiwilligen Teilnehmen an Bibelkursen und ähnlichen Aktionen. Während auf dem Papier knapp über 2000 Familien zu dieser Gemeinde gehören, kommen laut meinem Kontaktmann ca. 2/3 in die Kirche. Und davon rund 40 Menschen zu weiteren Kursen und Aktionen. (Ich werde das Gefühl jedoch nicht los, dass Meguro japanweit zu den größten Gemeinden gehören könnte).
Ein großes Standbein der Kirche ist der Kindergarten, welcher Kinder jeder Religion annimmt und unter angeblich minimalstem Einsatz von Religion erzieht. Bei über 400 Kindern, von denen die wenigsten aus katholischen Familien stammen, können sich die Missionare auf eine ansehnliche Basis stützen, um das “Wort Gottes” zu verbreiten.
Es ist ein sehr interessantes Thema und ich hoffe, mich demnächst wieder mal mit dem sehr netten Herr Pfarrer zu treffen.
 
Sehr gewundert hat mich das Aussehen der Kirche, welche wie jede normale westliche Kirche aussah. Aus Stein, ziemlich prächtig und fest. Verwunderlich war es aufgrund der Erdbebengefahr in Japan. Die meisten Häuser, die ich bisher besuchen durfte, waren Bauten aus Materialien, welche nicht so wehtun, wenn sie auf dich fallen (Holz etc.), Deshalb wunderte mich das hier unpraktisch wirkende Gebäude. Nun weiß ich aber, dass die Kirche auf Baumstämmen steht, welche in den damals nassen Boden gepresst wurden. Wenn also ein etwas schwereres Gefährt vorbeifährt oder eben ein Erdbeben kommt, soll sich die ganze Kirche wackeln! 
 
Am Freitag besuchten wir die kaiserlichen Bogenmacher, welche für den Ise-Schrein (Schrein, in welchem die shintoistische Hauptgottheit Amaterasu verehrt wird) handwerklich sehr hochwertige Bögen herstellen. Wir durften den zwei Lehrlingen (Der Chef war grad auf Fortbildung in Europa) bei der Verrichtung ihrer Arbeit zusehen und freuten uns über diese, wenn auch sehr kurze, einzigartige Möglichkeit.
 
Am nächsten Tag ging es dann wieder zum Fushimi-Inari-Schrein (Siehe letzter Beitrag). Doch diesmal gingen wir sehr schnell vom Touri-Weg ab und gingen tief in den Wald. Anfangs waren wir sehr enttäuscht, als wir bemerkten, dass unser “geheimer, abtrünniger” Weg ein ganz normaler Wanderweg mit wenigen Touris ist. Als wir dann aber noch tiefer in den Wald gingen, verschwanden nicht nur die Touris sondern auch der Weg. Somit stiegen wir den sogenannten Inari-Berg empor. Da jedoch kein Weg vorhanden war, schlugen wir uns durch Büsche und gefallene Bambus-Bäume. Auch wenn die Natur uns den Weg bis nach ganz oben versperrte, war es ein sehr nettes Abenteuer.
 
Es muss sehr ungewohnt für die Bauern, welche um den Berg herum arbeiteten, gewesen sein, als drei Ausländer mitten aus dem Wald hinauskrochen. Diesen Moment der Überraschung ausnutzend, fragten wir ein Bauernpaar, welchen Tag und welchen Monat wir heute haben, um den Eindruck zu erwecken, als ob wir monatelang im Wald umherirrten.
 
Neben Dschungel-Abenteuern verzehrten wir noch eine Kleinigkeit, in einem schon längst geschlossenen Imbiss, welcher tief unter der Straßenoberfläche vor sich hinvegetierte!
 
Allgemein gesprochen, war diese Woche wieder mal eine gelungene Woche und ich freue mich schon auf nächste Woche, wenn die EM beginnt und ich aufgrund der Zeitumstellung kaum Schlaf bekomme!
 
Bis zum nächsten Mal!
 
 
 
 
 
 
 
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