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 Mihaus Japan-Blog - Schlechte Tierhaltung und Hitler beim Wrestling?!
 
Servus Servus Servus, ich hoffe Euch geht es gut!
 
Ich habe mich diese Woche für einen provokanten Titel entschieden, da ein wenig Provokation nämlich nicht schadet. Was ich jedoch wirklich mit dem Titel meine, will ich Euch im heutigen Text erklären.
 
Fangen wir also mit dem ersten Teil der Überschrift an, welcher auch ein ernsteres Thema ansprechen soll. Wie ihr Euch gegebenenfalls erinnern könnt, war ich letzte Woche auf einem ganztägigen Spaziergang. Als ich von diesem nach Kyōto zurückkehrte, besuchten wir auf Wunsch eines Kommilitonen ein Haustierladen mit dem Namen Pet Plus. Besagter Kommilitone gehört zu den Menschen, welche man allgemeinhin als “Tierliebhaber” bezeichnen kann. Da ich prinzipiell wenig mit Tieren zu tun habe, ließ ich mich von ihm über die Missstände im Laden beraten.
 
Man stelle sich ein Laden mit Haustierbedarf vor (Kleidung für Tiere, Spielzeug, Futter, usw). Mitten im Laden steht ein Raum mit Glaswänden, in welchem mehrere, durch kleinere Glaswände abgetrennte, „Boxen” zu sehen sind. In diesen sind kleine süße Hunde und Katzen, wie sie miteinander spielen oder ihr Geschäft auf dem einfach zu reinigenden Boden verrichten, zu sehen.
 
Abgesehen davon, dass die Räume viel zu klein und rutschig für die kleinen Tiere sind, gab es auch Hunde welche alleine in ihren “Räumen” verweilten. Man sah den Tieren das Leid richtig an, welches durch die fehlende Bewegungsfreiheit zu begründen ist. Ein Hund war sogar schon zu groß, um aus dem angebrachten Wasserspender trinken zu können. Es war sozusagen eine Ausstellung, welche zwar süß sein sollte, aber beim genauen Hinschauen Ekel und Trauer auslöste.
 
Ich möchte diesen Missstand in meinem Blog erwähnen und hoffe, dass sich an dieser Denkweise etwas ändert. Zwar wurde mir gesagt, dass die Situation in europäischen Tierheimen nicht unbedingt besser ist, jedoch war dies meine erste Erfahrung mit diesem Problem. Die reinrassigen Hunde im japanischen Laden kosteten mehrere Tausend Euro, während man die Tiere aus Tierheimen oft für kleines Geld befreien kann.
 
Da Fotos in dem Laden verboten waren, sind die Bilder die ich hier reinstelle von eher schlechter Qualität, aber ich denke diese Missstände sollten irgendwie veröffentlicht werden. In der oberen Box-Reihe in der Mitte seht ihr auch den armen Hund, welcher aus der Trinkspender-Größe rausgewachsen ist und neben seiner Langeweile auch nichts zum Trinken bekommen kann... 
 
 Kommen wir nun zum zweiten Teil der Überschrift, welcher eigentlich zu den amüsanteren gehört: Hitler.
Hierbei handelt es sich natürlich nicht um den echten Adolf Hitler, sondern eine komödiantische Imitation. Aber lasst mich ein wenig weiter ausholen:
Am Dienstag fand eine Show des Wrestling-Circles statt, bei welchem ich als “Ersti” als Person im Hintergrund mithelfen durfte. Die Vorbereitungen begannen schon am Montag, indem man den Ring, welchen wir immer wieder aufbauen müssen, in einen Truck luden und zum Ort, an dem die Show stattfand, fuhren, um ihn dort aufzubauen. Hinzu kam natürlich noch zusätzliches Training.
 
Am Dienstag begann der Tag schon um 8 Uhr. Der ganze Circle stellte sich am Eingang des Campus’ in welchem unsere Show stattfand, auf und schrie die hereinschreitenden Studenten die Uhrzeit der Show zu. Auch ich und mein Kommilitone durften die schwer verständlichen Phrasen den japanischen Studenten zurufen, was für sie sicherlich sehr amüsant war.
 
Die Show begann mit einem 2 gegen 2 Kampf, welcher äußerst professionell aussah. Mein Job bestand darin, am Eck des Ringes geduckt dazustehen. Zum einen sorgte dies für Sicherheit, falls jemand auf dieser Seite rausfallen sollte. Zum anderen sollten alle Erstis mit lauter Stimme die Kämpfer anfeuern.
 
Der zweite Akt scheint stets ein eher komödiantischer zu sein. Es traten zwei sogenannte “Idols” gegeneinander an. Idols sind weibliche Sängerinnen(-gruppen), welche zwar keine wirklich gute Musik machen, aber dafür sehr süß aussehen und sich einer großen männlichen Fangemeinde erfreuen. 
 
Ein muskulöser Wrestler trat auf die Bühne und tanzte im Kleid graziös zu einem Song des Idols, welchen er wohl zu repräsentieren schien. Der Gegner war, wie es die Moderatoren ironisch sagten, “natürlich auch ein Idol”: Adolf Hitler. Man stelle sich einen muskulösen Japaner mit langem Mantel und Panzertape auf den Augenbrauen und unter der Nase (natürlich schwarz angemalt) vor, welcher auf den Ring schreitet und gegen einen anderen Wrestler im Kleid und seinen zwei “Idol-Fans” kämpft: Der Anblick war herrlich belustigend.
 
Doch das war nicht alles: Der sogenannte “Final-Move” von Hitler war ein aus Panzertape gebastelter Kot-Haufen, welchen der Diktator mitten auf dem Ring verrichtete und dadurch eine Wrestler-Fliege in den Kampf lockte.
Sehr banaler und dadurch sehr guter Humor also!
 
Abgerundet wurde das durch einen dritten Kampf, welcher von komplizierten Moves geprägt war! Äußerst lustig fand ich, wie beruhigt die Wrestler waren, als ich ihnen sagte, dass ich die Hitler-Idee als äußerst lustig empfand. Wie es scheint, machten sie sich Sorgen, dass die zwei deutschen Austauschstudenten das nicht so gut finden könnten (was natürlich auch durchaus verständlich wäre...aber glücklicherweise war es genau unser Humor).
 
Nach diesen drei Tagen voller sportlicher Betätigung (nach der Show wurde wieder trainiert + Sonntagstraining) folgte ein Wochenende voller Wissenschaft und Essen. Der “Arbeitskreis für japanische Religionen” hielt nämlich seine alljährliche Tagung ausnahmsweise in Kyōto und ich durfte als Hilfskraft bei organisatorischen Angelegenheiten (Einkaufen gehen, Essen servieren, usw.) mithelfen.
Der Freitag und Samstag, an denen diese Tagung stattfand, konnten mir zum ersten Mal ein Einblick in die Arbeit von Wissenschaftler geben. 
 
 Man trifft sich an solchen Tagungen, redet mit anderen Religionswissenschaftler und stopft sich mit Sushi und Sandwiches voll. Wenn man einen Vortrag angemeldet hat, hält man diesen auch, was natürlich die meisten getan haben. In den Vorträgen wurden die aktuellen Arbeiten der jeweiligen Wissenschaftler zu verschiedenen mit japanischer Religion zusammenhängenden Themen dargestellt. Auch wenn japanische Religion nicht unbedingt zu den Themen gehört, welche mich brennend interessieren, war es eine sehr wichtige und prägende Erfahrung. Es muss schön sein, einen Job zu haben in dem man sich mit Themen beschäftigt, die einen interessieren!
 
Wen der Arbeitskreis für japanische Religionen und deren Tagungen mal interessieren würde: Der Arbeitskreis trifft sich normalerweise einmal im Jahr in der Tübinger Japanologie (dieses Jahr in Kyōto war eine Ausnahme). Die nächste Tagung findet am 12. Mai 2017 statt und ich persönlich habe vor, dort nochmals als Hilfskraft mitzumachen.
 
Das solls für diese Woche gewesen sein. Wir sehen uns dann nächstes Wochenende :)
 
PS: Schaut gerne bei Instagram unter mihau_travel_exp vorbei. Dort stelle ich gerade fast täglich neue Bilder vom letztwöchigen Ausflug online. Die Ausblicke dort möchte ich niemandem verwehren :)
 
Euer Mihau
 
 
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