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 Mihaus Japan-Blog - Kurz mal nach Nordkorea

Hallöchen liebe Leute!

Mittlerweile bin ich kein Student der Dōshisha-Universität mehr. Offiziell bin ich nun nur noch ein stinknormaler Tourist... Wie ihr aber wisst, war ich dies in Wirklichkeit schon die ganze Zeit ;)

Unser Jahr wurde feierlich mit leckerem Essen und Zeugnisvergabe beendet. Zum letzten Mal sah man die Lehrer und manche Gastfamilien und danach vergnügte man sich mit ein paar Dozenten in einer Karaoke-Bar. So ging das Jahr erstaunlich schnell vorbei.

Auch von meiner Gruppe in der Deutschen Schule musste ich mich voller Schmerz verabschieden...

Die Zeit des Abschiedes ist wohl jedes Mal eine sehr schwierige, doch die große Trauer zeigt uns auch, dass es einem möglich war während dem Aufenthalt mit vielen tollen Personen wunderschöne Momente zu erleben, an die man sich gerne erinnern wird! Dies trifft bei mir auf jeden Fall zu und ich bin jeder einzelnen Person dankbar für jeden noch so kleinen Moment in diesem schönen Land. :)

So z.B. auch einem neu kennengelernten Dozenten aus den Niederlanden, welchem ich ein unbeschreibliches Ereignis verdanke. Ich ging nämlich mit diesem und drei weiteren Ausländerinnen in eine Grundschule für die koreanisch-stämmige Kinder in Japan, welche sich als Nordkoreaner identifizieren. Da es sich hierbei um kleine Kinder handelt, kann man schwer von „bewusster Identifikation“ sprechen, doch sind sie trotzdem Teil einer Community in Japan, welche sich ganz klar zum nordkoreanischen Staat bekennt und die nordkoreanische Minderheit in Japan vertritt.

Dies ist vor allem deshalb so besonders, da Japan und Nordkorea offiziell keine diplomatischen Beziehungen pflegen, weswegen es für mich anfangs sehr verwunderlich war, dass auf japanischem Boden trotzdem eine solche Schule existiert.
Die Schulen (es gibt mehrere) sind alle privat finanziert und stehen auf angemieteten Privatgeländen. So wurden auch die Gebiete um die Schule, welche ich besuchte, von der Organisation, welche die nordkoreanische Minderheit vertritt, gemietet, sodass keine Proteste vor der Schule stattfinden können.
Am Eingang begrüßten uns Kinder, welche bei unserem Anblick sofort zu den Fenstern liefen und uns „hello“-rufend zuwinkten, sehr herzlich. Schon in diesem Moment begann das Gelächter über meine Glatze und mein Bart :D


Jeder von uns fünf Ausländern setzte sich in ein Zimmer und unterhielt sich im vier-Minuten-Takt mit zwei Kindern, welche uns einfache Fragen auf Englisch stellten. Aufgrund von Generationenwechseln scheinen die jüngeren Anhänger der nordkoreanischen Minderheit in Japan immer offener zu werden, so war ich sehr verwundert, dass an einer „nordkoreanischen“ Schule Englisch gelehrt wird. Nebenbei gesagt von einer Japanerin!
Die Kinder verhielten sich genauso, wie ich es durch Grundschulausflügen in Japan und Kindergarten-Praktika in Deutschland von Kindern gewohnt war. Manche waren sehr offen, die anderen wieder schüchtern.

Sehr schnell begann das Betatschen meiner Glatze und meines Bartes, sodass auch mit diesen Kindern, trotz Sprachbarriere, gleich eine nette Atmosphäre entstand.
Wenn die Kinder etwas auf Englisch nicht wussten (z.B. das Wort „Germany“) berieten sie sich übrigens auf Japanisch, nicht auf Koreanisch (obwohl sie letzteres durch den Schulunterricht gut beherrschen). Dies liegt daran, dass viele von Ihnen auch zu Hause mit ihren Eltern auf Japanisch kommunizieren und alle ein „normales Leben“ als Japaner leben. Nur haben eben viele von ihnen nicht den japanischen Pass, sondern den Nordkoreanischen.

Ebenso überrascht war ich über die Gestaltung der Schule. Hierbei handelte es sich um ein sehr modernes Gebäude. Das wirklich Verwunderliche war jedoch jegliches Fehlen offensichtlicher Ideologie. Nach genauem Umsehen im Klassenzimmer, als ich auf die Kinder gewartet habe, sah ich kein Bild von Kim Il-Sung oder anderen nordkoreanischen Führern. Im Nachhinein klärte uns der Dozent auf, dass in dieser Grundschule solche ideologischen Symbole eher dezent ausgestellt werden und nur beim näheren Hinsehen gefunden werden können. In höheren Schulen soll es jedoch viel offensichtlicher sein.

Von der Schule wurden wir auch zu einer Aufführung der Kinder eingeladen, auf welche sie sich die Kinder intensiv vorbereitet haben. Die letzte Stunde der Aufführung am Sonntag konnte ich mitverfolgen und sah durch Knirpse ausgeführte traditionelle nordkoreanische Tänze. Auch ein Stück über Vergeben und Zusammenhalt von den Kindern, mit welchen ich auf Englisch sprechen durfte, durfte ich sehen.

Es wurde wohl auch dem Leser klar, dass man dieses Erlebnis nicht als ein Erlebnis mit einer „nordkoreanischen Schule“ bezeichnen kann, da die Schule schlichtweg sehr wenig mit dem Staat „Nordkorea“ gemein hat. Es handelt sich hierbei um eine Schule mit geringen nordkoreanischen Einflüssen, welche aber trotzdem einen ebenso geringen Einblick in diese sehr fremde Kultur erlauben. Deshalb bin ich sehr froh, diese Chance bekommen zu haben und neben interessanter Einblicke auch eine gratis Bartmassage bekommen zu haben ;)

Übermorgen geht’s dann nach Hokkaidō, freut Euch darauf und checkt Instagram ;) @mihau_travel_exp und @chantalsboredom werden viel posten :)

Cya


 




 
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