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 Mihaus Japan-Blog - Die grenzenlose Liebe zur Toilette
 
Weiter geht es. Zwei Wochen bin ich schon in Japan. Nachdem ich Ende letzter Woche meine Gastfamilie kennenlernen durfte, lebe ich nun in der Hafenstadt Ōtsu (大津), welche am größten See Japans liegt, dem Biwa-See (琵琶湖). Vom Haus von Kako und 
Samu (dem älteren Ehepaar, welches die nächsten Monate mit mir auskommen muss) braucht man ungefähr 10 Minuten um zum schönen Park am Ufer des Sees zu gelangen. Gleich am ersten Tag durfte ich mir mit Samu (Gastvater) den Biwa-See ansehen und es fühlte sich an, als ob ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen würde: Als ich noch ein kleiner Recke war, fuhr ich mit meinen Elter nach Friedrichshafen, einer Stadt am Bodensee. Seit jener Zeit habe ich mich in Städte, welche an großen Seen liegen, komplett verknallt...so ist es nun auch bei Ōtsu, in welchem ich bis August leben werde ♥
 
In Ōtsu lies ich dann auch meiner Nerdigkeit freien Lauf und gönnte mir mein ersten japanischen Manga: One Piece Band 78. Die Mangasammlung wurde in Kyōto um drei weitere Manga erweitert. Dort besuchte ich nämlich ein sogenanntes “Book off”. Es handelt sich hierbei um eine große Buchhandlung, in welcher gebrauchte Manga und Bücher für sehr geringe Preise verkauft werden (Manche sogar für nur 100 Yen! Also unter 1 €).
 
Neben dem Biwa-See und der japanischen Popkultur konnte ich ein weiteres sehr stereotypisches Phänomen beobachten: So besuchte ich mit meinem Gastvater ein sogenanntes さくら祭 (sakura-matsuri), ein Fest mit Bühnenvorstellungen, Essensbuden und Flomarkt, bei welchem im Zeze-Park (ein wunderschöner Park direkt am Biwa-See) die blühenden Sakura-Bäume gefeiert werden...mit viel Alkohol ;)
Vergleichbar mit der Kirwa-Saison in Bayern, gibt es auch hier die 花見-Saison (hanami), in der man sich mit seinen Circles aus der Schule/Uni, mit Freunden oder mit Familie in den Park setzt, die Schönheit der Sakura bewundert und sich krass besäuft.
 
Da ab letzten Montag für mich die Uni begann, konnte ich nicht so viele Orte besuchen. So konzentrierte ich mich auf Orte nahe dem Campus, welche mein Interesse weckten. Vor allem in der Mittagszeit handelte es sich hierbei um Orte, an denen Essen angeboten wird.
So besuchte ich mit meinen Kommilitonen die Uni-Mensa, in der sehr leckere Sachen (Nudeln, Fleich, Reis usw) für sehr günstige Preise angeboten werden. Tee umsonst!
Weiterhin ein Restaurant, in dem man zuerst von einem Kellner an den Platz geführt wurde, man aber dann wieder zurück zum Eingang musste, um an einem Automaten sein Essen zu bestellen. Das Ticket mit der Bestellung, welches man vom Automaten bekam, wurde dann am Tisch wieder vom Kellner abgeholt....Der Sinn dieses Systems ist mir zwar nicht ganz klar, aber aufgrund des Geschmacks des Essens ist mir das auch relativ egal. Das Chicken-Menü war sehr lecker und man konnte sich so viel Reis nehmen, wie man wollte/konnte.
Die größte Enttäuschung stellte Mos Burger dar. Für die, die es nicht kennen: Mos Burger ist DIE Burgerkette in Japan schlechthin (ggf sogar berühmter als McDonald’s), welche seit längerer Zeit sogar Reisburger anbietet (AT berichtete: http://www.anime-thunder.de/index.php?section=news&cmd=details&newsid=138). Während der Reisburger nur nach Gemüse mit zusammengepresstem Reis schmeckte, war der Chickenburger eine sehr leckere Erfahrung....nur waren die Burger kleiner als unsere Hamburger beim Mäkkes, aber dafür doppelt so teuer. 
 
Das Unileben an sich ist eine sehr gemütliche Erfahrung. Die Japanologen aus Tübingen genießen Montag bis Donnerstag Unterricht von 9-12:15 Uhr (Montags eine Stunde länger) und am Freitag verschiedene Ausflüge. D.h. man hat genug Zeit, um sich mit der Umgebung vertraut zu machen. Sehr beachtlich ist die Club-/Circle-Kultur an japanischen Universitäten (und Schulen). Die ersten Uni-Tage war der Campus überfüllt mit Ständen der verschiedensten Clubs an der Uni. Zwischen klassischen Sport-Clubs fand man aber auch Manga-Circles, eine Simulation der Vereinten Nationen oder einen Mystery-Circle (Unterschied Club/Circle: Clubs sind in der Regel strenger und finden öfter statt. Oftmals sind es Sport-Clubs, bei welchen man täglich abends Training hat und ältere Studenten zu respektieren hat). Neben einem Circle, welcher sich um dem Austausch zwischen japanischen und internationalen Studenten beschäftigt (und welcher auch schon Hanami angeboten hat), werde ich persönlich mir noch den Go-Circle und den Wrestling-Club anschauen :) Die Simulation der Vereinten Nationen war eine sehr prägende Erfahrung und ich finde es schade, dass an deutschen Unis internationale Probleme nicht auf ähnliche Weise simuliert werden können bzw. solche Circles nicht exisitieren. Man stelle sich ein großen Raum vor in welchem Studenten (zum Teil auch in Anzügen) sitzen und darüber diskutieren, ob man Irak mit Waffengewalt angreift oder nicht. Leider war der Wortschatz dann doch noch zu schwierig für meine bescheidenen japanischen Sprachkünste, weswegen auch hier ich nur zu Hanami erscheinen werde ;)
 
 

Ein weiteres Highligt war der Besuch des Shimogamo-Schreines in Kyōto, einem shintoistischen Schrein, in welchem unser Kurs eine eigene Zeremonie zum Wohlgelingen unseres Aufenthaltes genießen durfte. An dieser Zeremonie durfte ich sogar persönlich eine mehr oder weniger relevante Rolle spielen, indem ich durch das Entgegennehmen eines Astes die Verbindung zwischen den Kami (shintoisische Gottheiten) und unserem Kurs dargestellt habe. Nun steht dem Gelingen dieses Japan-Aufenthaltes nicht mehr im Wege :)
 
Ich habe jetzt sehr viel über viele schöne Momente und Orte gesprochen. Meine Liebe zum Biwa-See ist grenzenlos und die Freude auf weitere Circles steigt mit jedem Tage. Aber nichts von den oben genannten Sachen toppt eine bestimmte Erfahrung in Japan, welche ich im Hause meiner Gasteltern erlebt habe: Die japanischen Toiletten!
 
Das Haus in dem ich wohne gehört zu den traditionellen (ich schlafe auf einem Futon in einem Tatami-Zimmer, es gibt Schiebetüren und gegessen wird ohne Stühle), doch die Toilette ist sehr modern ausgestattet! Beim Hinsetzen erfährt man schon eine gemütliche Wärme am Hintern, welche nicht dadurch entstanden ist, dass vor mir jemand anders dort gesessen ist, sonder daran, dass es eine Sitzheizung gibt. Geil oder? ABER DAS IST LÄNGST NICHT ALLES! Direkt an der rechten Arschbacke befindet sich nämlich eine angebaute Fernbedienung mit Bildern. Ich drücke auf ein sehr vielversprechendes Bild und nach kurzer Wartezeit erfüllte sich mein Gesicht mit einer noch nie dagewesenen, jedoch trotzdem überraschten, Freude...Tränen flossen über meinen Bart und ich konnte nicht glauben, dass ich den Sinn des Lebens ausgerechnet hier in Japan finde: Eine Arschspritze!
 
 
Ein lauwarmer, dünner Wasserstrahl. Perfekt gezielt, zentral auf den Hintern. So unrein, aber doch wieder rein zugleich .... Wer es noch nicht erlebt hat, kann dieses Gefühl höchstwahrscheinlich nicht nachvollziehen, aber lasst Euch sagen: Diese Erfahrung zu toppen, wird sehr schwer...also streng dich an Japan ;)
 
(Entschuldigt die enthusiastischen Übertreibungen)
 
Weitere Fotos von Sakura und vom Biwa-See und weiteren Sachen, die ich sehen werde, findet ihr auf Instagram bei mihau_travel_exp. Fragen zu Japan bei ask.fm bei mihautheruler oder via Mail an mihau [at] anime-thunder [dot] de (at durch @ ersetzen und dot durch .)
 
Bis zum nächsten Blog :)





 
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