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 Mihaus Japan-Blog - Piraten am heiligen Ort! Das war die goldene Woche
 
Der Tag neigt sich dem Ende zu und genauso verhält es sich mit der Golden Week. In nächtlicher Nostalgie grüßt Euch mit einem herzlichen “Servus” Euer Mihau von Anime-Thunder.de. Was geht Ihr Freaks :D
 
Wie ich es letzte Woche versprochen habe, ging es diese Woche rund. So viele Eindrücke wie in den letzten Tagen habe ich bisher in so kurzer Zeit nie erlebt. Und die, welche Anime-Thunder.de auf Facebook geliket haben, konnten im Voraus schon erfahren, wo ich mich herumgetrieben habe.
 
Aber fangen wir ganz von vorne an. Die Golden Week (wer nicht weiß, was damit gemeint ist, schaut bitte im letzten Eintrag nach) begann mit einem neuen Circle, welchem ich gemeinsam mit einem Freund beigetreten bin. Es handelt sich hierbei um den Pro-Wrestling-Circle, welcher am Freitag, den 29.04, eine Willkommensparty für alle Neulinge abhielt. “Weshalb Wrestling?” werde ich oft von Familie und Freunden gefragt. Erstens ist mir aufgefallen, dass das Essen in Japan, wenn man das Falsche isst, gar nicht so hilfreich beim Verringern des Gewichts ist, wie am Anfang angenommen. Somit schadet es sicher nicht, zumindest einmal in der Woche (Wrestling-Training ist jede Woche am Sonntag) ein wenig Sport zu treiben. Da ich aber auch etwas Neues ausprobieren wollte, entschied ich mich für etwas, was ich in Deutschland noch nie gesehen habe: einen Wrestling-Verein.
 
Hinzu kommt die Tatsache, dass die Mitglieder wohl eher zu den “coolen Socken” gehören, welche im Volksmund womöglich als “kranke Opfer” bezeichnet werden. So viele perverse und geschmacklose Witze habe ich auf einem Haufen noch nie erlebt...und genau das hat mich angezogen :) Ganz am Anfang soll man sich z.B. einen Ringnamen aussuchen, unter welchem man im Oktober sein Ring-Debut feiern wird. Die Reichweite der Namen ist breitgefächert: Von “Magic Miller” und “The Ripper” bis “Fuckman Sex” oder “Schmuddelfilm-Ninja” gibt es alles. Ich persönlich entschied mich für meinen geliebten japanischen Spitznamen “Mr. BBQ” ;)
 
Ein großes Highlight war für mich die zweitgrößte Stadt Japans Ōsaka, welche ich zwar schon einmal besucht habe, jedoch nur kurz bei Nacht und “nur” für ein Konzert. Diese Woche konnte ich und mehrere Kommilitonen mithilfe von zwei supernetten Japanerinnen die Stadt näher kennenlernen. JA IHR HABT RICHTIG GEHÖRT! Keine ist weggelaufen XD 
 
Eine noch interessantere Erfahrung als die Shopping-Straße und das amerikanische Dorf in Ōsaka waren jedoch wirklich unsere zwei Touristen-Führerinnen, welche alles Mögliche getan haben, damit es uns gefällt und vor allem: damit wir nicht verloren gehen. An dem Tag verfolgte uns immer öfter das Gefühl, auf einem Kindergartenausflug zu sein... wir waren die Kinder :D Jedes Mal als man aus der U-Bahn stieg wurden alle gezählt und Bestellungen wurden ein paar Mal für uns getätigt.
Was hier jedoch negativ und bevormundet klingt war so süß und freundlich, wie ich es noch nie erlebt habe. Schließlich kann kein Japaner wissen, wie gut unser japanisch wirklich ist (und so gut ist es nun auch wieder nicht). Hinzu kommt, dass sich viele Japaner der Komplexität (ich verzichte absichtlich auf das Wort “Einzigartigkeit”...auch wenn dieses Wort eher zur Denkweise passen könnte) ihrer Kultur und ihres Landes sehr wohl bewusst sind. Da viele Menschen damit Probleme haben, hilft man Ihnen halt so gut man kann. Eine sehr lobenswerte Einstellung der zwei Mädchen!
 
Weiter ging es am nächsten Tag nach Tokio! Wie manche via Facebook gesehen haben, besuchte ich die Mekka der Otaku: Akihabara. Ich muss hier jedoch gestehen, dass die Otaku-Szene nicht Ziel meiner eintägigen Reise nach Akihabara war.
So ungern ich auf der Seite Anime-Thunder.de meine politischen Überzeugungen preisgebe, muss ich hier erwähnen, dass ich meine Bachelor-Abschlussarbeit über ein politisches Thema schreiben will. Da ich selbst Mitglied der Piratenpartei bin und mich mit den Überzeugungen dieser Partei gut identifizieren kann, weckt vor allem diese Partei mein Interesse. Ein wichtiger Punkt der Sympathie dieser kleinen Partei gegenüber ist ihre Internationalität. Es gibt mittlerweile kaum ein Land, in welchem die piratigen Überzeugungen von Transparenz, Freiheit im Internet und direkter Demokratie nicht vertreten sind. Zwar sind die Gruppierungen in anderen Ländern nicht annähernd so groß wie in Deutschland oder in Island, aber es gibt sie. So auch in Japan.
 
Die aktuelle Situation der Piraten in Japan ist, nicht zuletzt wegen der geringen Mitgliederzahl, etwas kompliziert. Wenn zwei Meinungen aufeinanderprallen, hat es bei kleineren Gruppen oftmals größere Auswirkungen als bei größeren Gruppierungen. Genau diese Anfänge einer neuen Idee interessieren mich sehr und ich möchte meinen geringen Teil dazu beitragen, dass die für mich wichtigen Überzeugungen (welche sich nicht mehr nur aufs Internet beziehen!) womöglich auch in Japan Fuß fassen, bzw. ob Japan die piratige Bewegung überhaupt braucht.
 
Vor allem bei diesem Thema werde ich nicht weiter ins Detail gehen, da ich mir nicht sicher bin, inwiefern eine Partei wie die Piraten Euer Interesse weckt. Solltet Ihr Fragen zur Piratenpartei in Japan, Deutschland oder sonst wo haben, schreibt mir einfach oder kommentiert hierunter. Wenn wirkliches Interesse besteht, kann ich ggf. einen Extra-Beitrag zu diesem Thema verfassen.
 
Aber nun zurück zum Wesentlichen: ANIME-STUFF *sabber*
Ich gestehe, dass es ein sehr besonderes Gefühl ist, wenn man in Akihabara steht und sich dessen bewusst wird, dass man gerade in der Hauptstadt Japans ist. Ein Gefühl, welches dem Erfüllen von Kindheitsträumen nahekommt.
Da ich meine Reise mit einem Nachtbus unternommen habe (die wohl billigste Variante, welche wegen Golden Week doch nicht so billig war), konnte ich Akihabara sogar schon um 8 Uhr erleben. Da die meisten Läden erst gegen 10 Uhr öffnen, war der Anblick eines leeren Stadtviertels voller Elektronik und Anime-Bannern ein sehr besonderer. (Ein Vergleich zwischen Morgen und Mittag in Akiba findet ihr auf Instagram bei mihau_travel_exp). 
 
Als sich die Stadt füllte, fühlte man sich ein wenig wie zuhause. All diese japanischen 
Otaku und die ausländischen Manga-Touristen erweckten in mir das Gefühl, dass ich mich hier wohlfühlen kann. Das Gefühl verschwand jedoch 
ziemlich schnell, als ich alles von Akiba gesehen habe und der Zauber des ersten Moments verpuffte. Akiba ist ein sehr interessanter Stadtteil mit vielen Shops und Game-Hallen, aber er war überraschend klein. Weshalb ich in kurzer Zeit beim nächstgelegenen Stadtteil Ueno im Park Entspannung genießen konnte.
 
Ich habe mich natürlich in Akiba nach einem kleinen Geschenk für Euch umgeschaut und einen kleinen Anhänger in Form eines Schwertes gefunden. Leider gab es nichts mit der Aufschrift “Akihabara”, aber wenn am Ende meines Aufenthaltes das Goodie-Paket verlost wird, sollt Ihr wissen, dass ein Goodie aus dem heiligen Ort enthalten ist!
 
Jetzt hatte ich eine ganze Woche frei, verbringe aber nur einen Tag in Tōkyō. “Warum?” fragt Ihr Euch vielleicht. Die Antwort ist erstens die Tatsache, dass ich hauptsächlich den ersten Kontakt zu den japanischen Piraten tätigen wollte und dafür nicht mehr als einen Tag brauchte.
Zweitens waren jedoch andere Termine für den darauffolgenden Tag geplant, weswegen ich so schnell wie möglich zurückkehren wollte.
 
Am Donnerstag, dem 05.05, feiert man in Japan den Tag des Kindes. Hierzu bringt jede Community ihren eigenen kleinen Schrein zum Hauptschrein und lässt ihn dort segnen. Daraufhin wird der Schrein durch die Straßen der Gemeinde/Community getragen, sodass jedes einzelne Haus “gesegnet” wird. Die Communities in Japan sind oftmals ziemlich kleine Ansammlungen von Familien, welche im selben Stadtteil wohnen. Communities organisieren neben religiösen Festen auch sportliche Wettkämpfe und Partys. Unsere besteht aus ungefähr 30 Familien und gehört damit angeblich zu den Kleineren. Aufgrund der geringen Größe brauchte man ein paar kräftige Männer. Hinzu kommt, dass wohl manche Nachbarsleute meiner Gastfamilie mich aufgrund meines Aussehens für gefährlich hielten und ggf. Angst hatten, dass ich ein Einbrecher bin, wenn ich um 5 Uhr morgens in das Haus meiner schlafenden Gasteltern eintrat.
Aus all diesen Gründen bat man mich und zwei gute Kommilitonen (meine zukünftigen Mitbewohner) um Hilfe beim Tragen des portablen Schreines, welcher insgesamt von sechs Männern getragen wurde.
 
Ich denke, dass man als Ausländer nicht einfach so die Möglichkeit bekommt, bei solch einem Fest teilnehmen zu dürfen und bin deshalb mächtig froh, diese Erfahrung mitgemacht zu haben! :) Sehr schön war die Fress- und Sauforgie im Gemeindehaus nach dem Fest, welches ganz klar zur Integration meiner Freunde und meiner Person geholfen hat ;)
 
Zwar war die goldene Woche zeitweise sehr stressig, aber es gab auch viele Ruhepausen, welche auf jeden Fall genossen wurden. So konnte ich die Enkelkinder meiner Gastfamilie ein wenig näher kennenlernen und hatte das erste Mal wirklich das Gefühl, alt zu sein: WIE VIELE VERDAMMTE POKÉMON GIBT ES DENN HEUTZUTAGE?!?!?! Das müssen doch Millionen sein! Kein einziges Pokémon, dass mir ein Enkelkind gezeigt hat, konnte ich irgendwie wiedererkennen! Oo xD
 
In diesem Sinne: Servus und bis nächste Woche

 
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