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 Mihaus Japan-Blog - Das Ende

Servus Leute,

wenn Ihr das liest, bin ich höchstwahrscheinlich schon zurück in Deutschland. Ich bin am 23. Februar um 23.35 Uhr aus Ōsaka losgeflogen und am 24. Februar angekommen.
Sowohl Euch als auch meiner Familie habe ich stets ein anderes Datum gegeben, da ich meine Familie damit überraschen wollte, dass ich eine Woche früher vor der Haustür stehe als sie es erwartet haben.

Den Text verfasse ich jedoch am 22. Februar, dem letzten ganzen Tag in Japan. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich heute sagen muss „morgen verlasse ich Japan“... Manche von Euch werde dieses Gefühl kennen, manchen mag es neu sein, doch, wenn man ungefähr ein Jahr in einem komplett anderen Land verbracht hat, dann ist der Abschied auf jeden Fall kein einfacher.

Ich lasse hier in diesem Land viele Erinnerungen und viele Menschen und Freunde zurück, welche ich gerne weiter auf ihrem Weg begleitet hätte. Ich verlasse ein Land, welches ich lange Zeit als „zuhause“ bezeichnet habe. Wenn ich mit jemandem über Japan geredet habe oder Euch im Blog etwas über meine Erlebnisse in Japan erzählt habe, habe ich stets Wörter wie „hier“ oder „bei mir“ benutzt, während ich in ein wenig mehr als 24 Stunden Wörter wie „drüben“ oder „damals in Japan“ benutzen muss.

Versteht mich nicht falsch, ich freue mich riesig auf Deutschland, auf die Heimat, auf meine Familie, welche ich viel zu lange nicht gesehen habe, auf meine Freunde, welche mir das ganze Jahr über bewiesen habe, dass bei Ihnen mein Platz im Leben ist, auf das Essen in Deutschland und Konversationen ohne langes Suchen nach Wörtern und den richtigen grammatischen Formen. Doch dies wiederum bedeutet eben auch nicht, dass ich Japan überhaupt nicht genossen habe und mich hier nicht eingelebt habe.

Kurz gesagt: auch wenn es mir egal sein könnte, wo ich lebe, ob Deutschland oder Japan, weil es mir überall sehr gut gefällt, ist eben diese „Win-Win-Situation“ im Moment eines Abschieds auf jeden Fall Grund von größerer Trauer.

Etwas was mich die ganze Zeit über in Japan begleitet hat, war dieser Blog und Ihr lieben Leser. Jede Woche, meistens am Sonntag, setzte ich mich vor den Laptop und schrieb meine Erlebnisse auf. Nicht nur, um Euch das Land etwas näher zu bringen und Euch zu unterhalten, sondern auch für mich selbst zur Verarbeitung der Erlebnisse. Deswegen denke ich, wäre auch heute eine Verarbeitung des ganzen Aufenthaltes angebracht.



Als ich mir die Fotos vom ganzen Jahr angesehen habe, konnte ich es nicht glauben was ich hier alles erlebt habe. Obwohl es nur 11 Monate waren, habe ich gefühlt genauso viel erlebt, wie in den ~20 Jahren davor in Polen und Deutschland. Unglaublich!

  • Ich habe eine wundervolle Gastfamilie gehabt, welche unbestritten die Grundlage für einen wundervollen Aufenthalt gelegt hat.
  • Ich konnte Kindheitserinnerungen wecken, indem ich hier wieder das Getränk „Qoo“ trinken konnte.
  • Ich fand einen neuen Lebenssinn, als ich die Arschspritzen in den modernen japanischen Toiletten für mich gefunden habe.
  • Ich konnte die wundervolle Band Nightwish live erleben.
  • Ich wurde Mitglied einer japanischen politischen Organisation und war bei Treffen dabei.
  • Ich konnte aktiv am japanischen Kinderfest teilnehmen und einen kleinen Schrein mittragen.
  • Ich besuchte eine katholische Kirche in Tōkyō und konnte tiefere Einblicke in das Christentum in Japan gewinnen, indem ich mit dem dortigen Pfarrer sprach.
  • Ich sah die polnische Volleyball-Nationalmannschaft in Aktion, wie sie das japanische Team vernichteten.
  • Ich erlebte das erste Mal die Fußball-EM von einem anderen Kontinent aus.
  • Ich konnte neue Freunde aus verschiedenen Teilen der Welt gewinnen, vertiefte aber auch alte Freundschaften indem mich Freunde besuchten oder man via Chat im Kontakt blieb.
  • Ich spazierte durch Hiroshima, eine Stadt welche durch das mächtigste Zerstörungsinstrument der Menschheit zerstört wurde.
  • Ich verliebte mich in einen See, welcher mein Leben hier bereicherte.
  • Ich wurde Amateur-Pro-Wrestler und war der erste Ausländer, welcher im Uni-Wrestling ein Ring-Debüt gegeben hatte.
  • Ich traf die Europaabgeordnete Julia Reda und lauschte bei ihren zwei Symposien in Tōkyō mit.
  • Ich fuhr innerhalb von zwei Tagen 142 km mit dem Fahrrad und bewies mir, dass ich mich doch bewegen kann.
  • Ich startete mit guten Freunden ein lustiges, kleines Projekt und wir aßen live vor einer Kamera Stuff aus Japan
  • Ich übernachtete in einem Wald, welcher für seine hohe Anzahl an Selbstmordfällen bekannt ist.
  • Ich besuchte das weit entfernte Okinawa und entspannte dort in der Gesellschaft von wundervollen Menschen.
  • Ich wurde beim Release von Pokémon Go vom Fernsehsender NHK interviewt und mein Gesicht gab es landesweit zu sehen.
  • Ich besuchte Miyazaki und weitere Teile der Insel Kyūshū. Dort durfte ich tiefere Einblicke in den japanischen Alltag gewinnen.
  • Ich verbrachte das erste Mal Weihnachten weit entfernt von der Familie und aß weihnachtlichen KFC.
  • Ich besuchte eine Schule mit Kindern, welche sich als nordkoreanisch identifizieren.
  • Auf Hokkaidō schaffte ich es, nicht auf den dicken Eislagen auf den Gehwegen auszurutschen und bekam (hoffentlich) keine Geschlechtskrankheit im Onsen, welches eben diese heilen soll.
  • Ich unterstützte einen netten Herrn in Shimane, den Bewohnern von Unnan politische Bildung näher zu bringen.
  • Und zu guter Letzt fand ich meine Bestimmung, indem ich in der deutschen Schule nicht nur Schüler unterrichtete, sondern mit Freunden Spaß hatte!
Und selbst diese Aufzählung sind nur die prägendsten Erlebnisse!

Ich hoffe ich konnte Euch das ein oder andere Mal nicht nur ein Lächeln im Gesicht bescheren, sondern gelegentlich Euch „Japan“ näherbringen! Ich danke Euch für Eure Treue und auch ein Danke an Sandra für das wundervolle Bild im Rahmen des Gewinnspiels!

Wir sehen uns dann in den News, welche ich hoffentlich baldigst wieder für Anime-Thunder schreiben werde.

Danke Euch, Danke Japan! Das alles wird auf ewig ein Teil von mir bleiben.

Peace out, bleibt geschmeidig und never eat yellow snow,

Euer Mihau











 
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