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 Mihaus Japan-Blog - Aussichtsvolle Ferien

Servus Leute, alles frisch?

Ich grüße Euch aus Kyōto, meiner neuen Heimat. Während ich bis zum 31. Juli in der Hafenstadt Ōtsu gewohnt habe, zog ich am 1. August zu meinen zwei Freunden Theo und Fray in den Norden Kyōtos. Ein zweistöckiges Haus mit vier Zimmern, sowie einer Gemeinschaftsküche, -Toilette und -Bad wird nun von uns drei bewohnt. Bevor ich kam, fungierte mein Zimmer als Wohnzimmer, nun ist es mein Wohnraum (welcher wohl trotzdem als Wohnzimmer genutzt wird :P ).

Auch wenn Ōtsu nur 20 Minuten mit dem Zug von Kyōto entfernt ist und ich meine Gasteltern oft genug sehen werde, verändert sich mein Alltag nun um 180° und ein komplett neuer - selbstständiger - Lebensabschnitt beginnt. Ich werde natürlich den Luxus einer Gastfamilie vermissen und vor allem die täglichen Gespräche mit meinen Gasteltern, welche allseits gute Scherze auf Lager haben. Aber nach der anfänglichen Unterstützung der Gasteltern, muss ich jetzt versuchen eigenständig in Japan zu leben. Darauf freue ich mich sehr!
Des Weiteren fallen jetzt die Zug- und U-Bahn-Fahrtkosten weg, da ich mit einem rostigen alten Fahrrad unterwegs bin...ich bin gespannt wie lange es mich aushält :D

In den letzten Wochen vor meinem Auszug waren meine Gasteltern mit uns (mir und unseren internationalen Mitbewohnern) sehr oft in Karaoke-Läden, in welchen wir alle sehr viel Spaß hatten. Dadurch dass wir auch immer unser eigenes Essen von Zuhause mit in die Karaoke-Räume nahmen, hatten wir während dem Singen auch stets ein nettes Buffet. Ich habe mich auch an dem ein oder anderen japanische Rap-Song gewagt, aber die Geschwindigkeit war dann doch zu schnell für meine Lese-Fähigkeiten.

Um jedoch nicht nur Gesangstunden zu nehmen, besuchte ich am 24. Juli ein Matsuri am Fushimi-Inari, dem Schrein mit den tausenden Torī-Toren, über welchen ich schon mal [berichtete]. Die rot beleuchteten Torī, welche eine Allee bildeten, erfüllten mein Auge mit mystischer Schönheit. Der mystische Flair wurde stärker, als man von außen, aus dem Wald die Allee ansah.
Doch auch etwas Anderes weckte meine Aufmerksamkeit: Ich fühlte mich, als ob ich einen tiefen Kulturwandel live miterleben konnte. Die Matsuri-Feste in Japan, welche anfangs spiritueller Natur waren und sich vor langer Zeit eher zu wirtschaftlichen Events entwickelten (Essbuden, Glücksspiele, Souvenirshops etc.) könnten sich seit diesem Jahr zu Pokémon-Festen entwickeln. Egal wo man hinging, sah man Pokémon-Spieler mit der offenen Pokémon-Go-App, alle Pokéstops lockten Pokémon an und mehrere Pipi tauchten immer wieder auf. Auch ich und meine Freunde nutzten die Chance und fingen mehrere Monster, während wir uns an der Schönheit des Festes ergötzten.

Am selben Tag bestieg ich mit meinem Gastvater und den zwei Französinnen den Berg Hiei, welcher zwischen Kyōto und dem Biwa-See steht und insgesamt ca. 800 m hoch ist. Zwar stiegen wir nicht bis zum Gipfel auf, besuchten jedoch einen sehr hoch gelegenen Schrein, bei welchem man leider nicht befriedigende Aussichten betrachten konnte, da die Bäume zu hoch waren. Deshalb entschied ich mich noch ein wenig mit dem Bus hochzufahren, um dann eine Aussicht auf meine ehemalige Heimatstadt Ōtsu zu genießen. Runterwärts ging es dann mit einer Seilbahn, welche leider ebenso mit keinen schönen Aussichten dienen konnte.

Das Wandern und Erkunden der heimischen Gegend ging am Dienstag weiter. An diesem Tag habe ich die letzte große Sehenswürdigkeit in Kyōto besucht und brauche nun kein schlechtes Gewissen mehr haben ;P Wobei der Ort mit dem Namen Arashiyama ein Ort war, den ich wirklich gerne besuchen wollte, weil ich nur Gutes über ihn gehört habe. Affenpark, Bambuswald und wunderschöne Aussichten!

Ich wurde nicht enttäuscht. Der Katsura-Fluss gemischt mit den Strahlen der Sonne ergaben ein Bild, welches jedem Touristen die Schönheit der Welt nochmal vor Augen führte (Fotos gibt es auf Instagram bei mihau_travel_exp, auch wenn diese leider nicht die wahre Schönheit wiedergeben können). Lediglich der Affenpark blieb mir negativ in Erinnerung. Ich bin prinzipiell kein Fan von Attraktionen, welche Tiere ausnutzen, um Geld zu bekommen. Deshalb besuche ich keine Zoos oder Zirkusse. Da die Affen am Affenberg in Arashiyama sich (einigermaßen) frei bewegen können, dachte ich, dass es ganz nett sein könnte.

Man sah den Affen jedoch ihre Trauer um ihre Situation an. Man konnte die Affen in einem Holzhaus von innen füttern, während die Affen an den Gitterfenstern hangen und um Essen baten. Die einzigen Affen, welche wirklich Spaß zu haben schienen, waren die Baby-Affen, welche sich im Wasser vergnügten. Die Laune der Affen könnte aber auch mit den Temperaturen zusammenhängen. Es war arschig-heiß!

Nach ein paar Tagen, welche dem Umzug gewidmet waren, nahm ich mir einen Tag nur für den Biwako frei, um am Ufer entlang zu spazieren und meinem absoluten Lieblingsplatz in Japan nochmal “Sayonara” zu sagen. Glücklicherweise fand am Ōtsu-Hafen ein Jazz-Konzert statt, dessen Musik meine Sayonara-Stimmung stark untermauerte. Auch der Einfall der Sonne bot grandiose letzte Anblicke auf die Liebe meines Lebens! Wer nach Japan kommt, sollte sich unbedingt diesen faszinierenden See ansehen und dort eine Weile innehalten und die Atmosphäre genießen!

Nächste Woche kommen Berichte über meine ersten Erfahrungen mit dem selbständigen Leben in Kyōto und weitere Erfahrungsberichte von Events, die ich mit meiner jüngeren Schwester besuchen werde. Diese besucht mich nämlich für ein paar Wochen in Japan und ich freue mich darauf, ihr das alles hier zu zeigen!

In diesem Sinne, Servus,
Euer Mihau




 






 





 
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